Falsche Münzen

Die größte Lüge, die der Westen je geschaffen hat, war, die Welt davon zu überzeugen, dass seine Werte universell und „neutral“ sind. Was die meisten Menschen jedoch nicht wissen, ist, dass seine Werte auf seiner [ganz] eigenen Weltanschauung beruhen, die sich von den meisten (ursprünglichen) Glaubens- und Rechtssystemen der Welt unterscheidet und ihnen entgegensteht. So wie die USA den Dollar fördert, hat der Westen seine geistige Währung gedruckt und alle aufgefordert, sie als universellen Standard für moralische und geistige Transaktionen zu verwenden. Aber so wie der Dollar mit der US-Wirtschaft verbunden ist, sind auch die westlichen Werte mit ihren Überzeugungen und ihrer Weltanschauung verbunden. Und wenn das eine versagt, versagt auch das andere.

Aus diesem Grund sind die „Werte“ (des westlichen Verständnisses) der „Menschenrechte“, „Freiheit“, „Demokratie“, „demokratische Legitimität“ (es sei denn, du wählst eine islamische Partei) und (das westliche Konzept von) „Gleichheit“ im weltweiten Sprachgebrauch so allgegenwärtig. Überall, wohin du reist, kannst du diese „unantastbaren“ und „heiligen“ Worte erklingen lassen und sofort eine gewisse moralische Währung bekommen. In Wirklichkeit sind diese Worte Euphemismen für säkulare, liberale Konzepte, die wenig Ähnlichkeit mit der tatsächlichen Bedeutung der verwendeten Wörter haben. Der Islam verwendet zwar universelle Wörter, die jede Religion und Ideologie für sich beansprucht, wie z. B. „Gerechtigkeit“, „Gleichgewicht“, „Rechte“ und „Freiheit“, aber er tut dies auf einer völlig anderen Grundlage als wenn der Liberalismus diese Worte verwendet.

Es gibt jedoch Wörter, die ganz bestimmte Bedeutungen haben, die es in anderen Kulturen, Religionen und Ideologien nicht gibt. Wörter wie (säkulare) Demokratie, Säkularismus, Feminismus, Humanismus und Liberalismus.

Die westliche Weltanschauung (oder die intellektuelle Bank) schätzt diese Wörter sehr, und viele Muslime sind leider dem Gebrauch dieser Wörter erlegen, um die Forderungen der westlichen Gesellschaften zu beschwichtigen. So verwenden manche Muslime Wörter wie „säkulare Demokratie“, „Säkularismus“, „Feminismus“, „Humanismus“ und „Liberalismus“ nicht nur, um Gerechtigkeit für sich selbst zu fordern, sondern auch, um Aspekte des Islam selbst zu beschreiben!

Nach der Verwüstung des muslimischen Denkens durch den Kolonialismus sind viele Muslime dazu übergegangen, diese Währung gefährlich einzusetzen, um den Islam zu erklären und Gerechtigkeit für sich zu fordern.

Manche Muslime verwenden selbstvergessen und naiv die Wörter, die gerade in Mode sind, obwohl sie mit fremden und offenkundig unislamischen Weltanschauungen imprägniert sind, mit der Ausrede (die sie sich selbst einreden), dass es irgendwie in Ordnung sei, diese zu verwenden, wenn sie ihnen eine andere Bedeutung zuweisen als die offenkundig offensichtlichen Bedeutungen, die sie aufgrund der westlichen Weltanschauung haben.

Manche fügen den Wörtern sogar den Zusatz „islamische/r“ hinzu, um sie irgendwie annehmbar zu machen, wie „islamische Demokratie“ oder „islamischer Feminismus“. Wie ein amerikanisches Sprichwort lautet: „Du kannst ein Schwein sauber machen, ihm eine Schleife um den Schwanz binden und es mit Parfüm besprühen, aber es ist immer noch ein Schwein.“1

Vom Propheten Muhammed ﷺ wird berichtet, dass er den Muslimen befohlen hat, nicht aus Weinbechern zu trinken, selbst wenn die Muslime daraus Wasser trinken würden. Das liegt einfach daran, mit was Weinbecher assoziiert werden. Und doch verwenden einige Muslime gerne Wörter, die mit dem Islam nicht vereinbar sind! Das wäre das Äquivalent dazu, nicht nur Weinbecher zu verwenden, sondern noch dazu Wein zu trinken – ihn aber als „Nicht-Wein“ zu betiteln (Der Prophet Muhammed ﷺ soll auch prophezeit haben, dass einige Muslime das buchstäblich tun würden!).

Wir sehen also, wie Muslime sagen: „Na ja, wenn ich das Wort (säkulare) Demokratie verwende, dann meine ich, dass man sich die Führer aussuchen darf, nicht dass man Gottes Recht vorenthält, zu regieren“. Und das trotz der Tatsache, dass der Begriff „demos kratos“, die ultimative Souveränität und Gesetzgebung durch das Volk bedeutet, nicht durch Gott. Die einfache Antwort darauf ist, diesen Muslimen, die auf die Verwendung des Wortes bestehen, zu sagen: „Ok – aber dann solltet ihr GENAUSO gut und gerne ‚Theokratie‘ fordern, denn das bedeutet Herrschaft durch Gott, was ihr ja angeblich nicht vorenthält“. Nur diejenigen, denen es an Heuchelei mangelt, würden diesem Gegenargument zustimmen.

Muslime sagen: „Feminismus bedeutet nur Rechte für Frauen“ – und das, obwohl alle Rechtssysteme den Frauen Rechte zugestanden haben (die Streitigkeiten liegen nur darin, wie diese Rechte ausschauen). Tatsächlich bedeutet Feminismus (bzw. er behauptet, das zu bedeuten) in Wirklichkeit die absolute Gleichheit in der rechtlichen [gesetzlichen] Behandlung von Männern und Frauen (und negiert damit alle Geschlechterrollen), die Unabhängigkeit der Frauen von jeglicher Verantwortung und Pflicht aufgrund ihres Geschlechts, und Geschlechter-Sektierertums2. Die einfache Antwort darauf ist, diesen Muslimen, die auf die Verwendung des Wortes bestehen, zu sagen: „Ok – aber dann solltet ihr GENAUSO gut und gerne „Maskulinismus“ fordern, denn das bedeutet ‚Rechte für Männer‘, woran ihr doch sicherlich auch glaubt, oder?“ Nur diejenigen, denen es an Heuchelei mangelt, würden diesem Gegenargument zustimmen.

Einige Muslime sagen, dass „Säkularismus“ nur „Politik in der materiellen Welt wie der Bau von Straßen, das Einrichten von Wasserhähnen, Bildung und Schulen usw.“ bedeutet. Sie behaupten dann, dass das historische islamische Kalifat „säkular“ war und dass die Herrschaft des Propheten ﷺ säkular war!!! Säkularismus bedeutet aber eigentlich die Trennung von religiösen Belangen, Überzeugungen und Weltanschauungen von der Politik. Das bedeutet die Ablehnung aller Gesetze, die auf einer Moral beruhen, die nicht auf physischen Erwägungen wie körperlichem Schaden/Nutzen beruht. Das bedeutet, dass Untreue in der Ehe, die öffentliche Beleidigung religiöser Überzeugungen, Zinsgeschäfte, die sexuelle Ausbeutung von Frauen und Alkoholkonsum legal werden.

Kein Säkularist würde eine säkulare Verfassung akzeptieren oder fordern, in der es heißt: „Wenn jemand in Streit gerät, soll er sich an Allah und seinen Gesandten wenden“, und doch war dies die Verfassung von Medina!

Der Bau von Straßen, das Einrichten von Wasserhähnen, Schulen usw. ist kein neutraler oder nicht-religiöser Akt, sondern basiert auf der Motivation der Ideologie, die den Bau dieser Dinge fordert. Wenn eine Regierung eine Straße baut, weil sie glaubt, dass dies Gottes Wille ist, dann ist das KEINE SÄKULARE HANDLUNG.

Außerdem baut keine Regierung eine Straße, nur weil es natürlich ist, dies zu tun. Seit Tausenden von Jahren haben die meisten Regierungen keine Straßen gebaut (außer Staaten wie die Römer oder das islamische Kalifat). Eine Regierung baut entweder eine Straße, weil sie eine Weltanschauung hat (z. B. Kommunismus, Liberalismus oder Islam), die verlangt, dass der Staat die Sicherheit und Effizienz der Menschen im Verkehr gewährleistet, um einen Wert zu maximieren, den die Ideologie achtet. Auch wenn es möglich ist, dass eine Regierung eine Straße baut, weil alle anderen es tun (d. h. weil es modern ist) oder um der eigenen Armee das schnelle Reisen zu erleichtern (d. h. wie die Römer es taten). Die einfache Antwort darauf ist, den Muslimen, die darauf bestehen, das Wort zu verwenden, zu sagen: „Ok – aber dann solltet ihr GENAUSO gut und gerne den Ausdruck ‚religiöse Regierung‘ fordern und verwenden, denn eurer Meinung nach würde eine religiöse Regierung sicherlich die gleichen Dinge fordern, wie z. B. Straßen, Wasserhähne, Schulen, Brücken usw., oder nicht?“ Auch diesem Gegenargument würden nur diejenigen zustimmen, denen es an Heuchelei mangelt.

Manche Muslime rufen zum Humanismus auf und behaupten, er bedeute, „sich nur um die Rechte der Menschen zu kümmern“. Aber auch das ist naiv und falsch. Denn Humanismus bezieht sich auf eine menschenzentrierte Weltanschauung, in der der Mensch „das Maß aller Dinge“ und „dieses Leben“ das Hauptanliegen dieser Denkweise ist und nicht irgendetwas anderes, einschließlich Gott. Deshalb sind auch fast alle Humanisten heute Atheisten. Wenn der Atheismus sein Glaubensbekenntnis (Aqīda) ist, dann ist der Humanismus die Religion (Dīn) dieses Glaubensbekenntnisses. Die einfache Antwort darauf ist, den Muslimen, die darauf bestehen, dieses Wort zu verwenden, zu sagen: „Ok – aber dann solltet ihr GENAUSO gut und gerne das Wort ‚göttliches Gesetz‘ verwenden, denn das würde auch Rechte für Menschen fordern, wenn auch unter einer Gott-zentrierten Weltsicht.“ Auch diesem Gegenargument würden nur diejenigen zustimmen, denen es an Heuchelei mangelt.

Natürlich, wenn diese Muslime diese Begriffe wirklich aufrichtig verwenden würden, „solange sie ihnen eine ‚annehmbare‘ Bedeutung geben“, dann wollen wir doch mal sehen, ob sie auch bereit wären, die folgenden Begriffe mit ihren neuen „Bedeutungen“ (d. h. Ausreden) zu verwenden:

  • „Islamischer“ Polytheismus – „Es bedeutet nur“ Glaube an einen Gott, mit vielen Namen
  • „Islamischer“ Faschismus – „Es bedeutet nur“ Stärke durch Einheit
  • „Islamischer“ Kommunismus – „Es bedeutet nur“, die Werte der Gemeinschaft zu respektieren
  • „Islamischer“ Atheismus – „Es bedeutet nur“ die Verneinung falscher Götzen, nicht aber die Verneinung des einen transzendenten Gottes
  • „Islamischer“ Götzendienst – „Es bedeutet nur“, muslimische Helden aus Gegenwart und Vergangenheit als Vorbilder und berühmte „Idole“ [Götzen] zu ehren, aber nicht im wortwörtlichen Sinne
  • „Islamischer“ Rassismus – „Es bedeutet nur“, dass wir die Rasse von Adam (as) ehren
  • „Islamischer“ Satanismus – „Es bedeutet nur“, dass wir an ein Konzept des Teufels glauben und uns vor seinen Werken in Acht nehmen
  • „Islamischer“ Trinitarismus – „Es bedeutet nur“, dass wir an drei Aspekte Gottes glauben, den Tauhid al-Rububiyah, den Tauhid Uluhiyyah und Asma‘ wa siffat

Natürlich sind all diese neuen Begriffe absurd und wir würden jeden auslachen, der so dumm wäre, sie zu benutzen, obwohl er ihnen scheinbar harmlose Erklärungen zuschreibt. Aber das ist nicht anders als „islamischen Feminismus“, „islamischen Säkularismus“, „islamische Demokratie“ und „islamischen Humanismus“ zu verwenden – die für einen Muslim alle gleichermaßen absurd und lächerlich sind, zu verwenden.

Als Muslime müssen wir die falsche intellektuelle Währung ablehnen, die wir verwenden sollen. Wir sollten keine geliehenen Wörter nutzen, die eine bereits existierende, weit verbreitete und unislamische Bedeutung haben, sondern Wörter, die uns vom Islam selbst gestellt werden, oder zumindest (für nicht-arabisch sprechende Menschen) die besten Übersetzungen der sprachlichen Entsprechungen in Fremdsprachen, z. B. Dīn = „Weltanschauung/Ideologie“, Aqīda = „Glaubensbekenntnis“. Denn wenn Muslime westliche Wörter verwenden, die mit einer bestimmten Bedeutung aufgeladen sind, bilden diese den Auftakt zum Glauben an westliche Konzepte. Auf diese Weise verbreitet der Westen seine Ideologie. Das ist so, als würde man arabischen Christen beibringen, das Wort „Tauhid“ zu benutzen, um ihre Vorstellung von Gott zu beschreiben. Nach ein oder zwei Generationen würde keiner von ihnen mehr an die Dreifaltigkeit glauben!

Einige Muslime sind naiv und glauben, dass sie einfach von den Weltanschauungen, die mit diesen Begriffen verbunden sind, lernen und übernehmen können, was „gut“ ist. Diese Denkweise ist zwar gefährlich, weil viele Muslime die Kriterien für das, was gut ist, aus ihren eigenen Quellen ableiten müssen, bevor sie sich an anderen orientieren – aber selbst wenn wir es mit Geduld ertragen [mit Humor nehmen] würden, würde das immer noch gegen die islamische Lehre verstoßen, denn der Qur’an und die Lehren des Propheten Muhammed ﷺ sollten als umfassend, rein und als klare Anleitung gesehen werden:

‚Umar brachte dem Propheten ﷺ ein Buch, das er von einigen der Leute der Schrift (Juden und Christen) bekommen hatte. ‚Umar las ihm daraus vor, was den Propheten ﷺ erzürnte. Er sagte: ‚Ich habe euch gebracht, was klar und rein ist3. Fragt sie (die Juden und Christen) nicht nach irgendetwas, damit sie euch nicht etwas Wahres mitteilen und ihr es leugnet oder sie euch etwas Falsches mitteilen und ihr es glaubt. Ich schwöre bei dem, in dessen Hand meine Seele ist: Wenn Moses heute noch leben würde, würde er nichts anderes tun, als mir zu folgen.‘

Musnad Ahmad (3/387)

Wenn die islamische Offenbarung eine umfassende Antwort auf alle Dinge ist, welchen Sinn sollte es dann haben, darüber hinausgehen zu müssen?

Wir haben im Buch nichts vernachlässigt.

Qur’an 6:38.

Und Wir haben dir das Buch (Qur’an) offenbart als klare Darlegung von allem und als Rechtleitung, Barmherzigkeit und frohe Botschaft für die (Allah) Ergebenen.

Qur’an 16:89.

Geben wir also dem Westen seine intellektuelle Währung zurück, denn sie trägt gewiss den Stempel ihrer eigenen Weltanschauung, und wir sollten unsere eigene intellektuelle Währung, die uns Gott im Qur’an und in der Sunna gegeben hat, für uns behalten4. Das ist der Schlüssel, um unseren Glauben rein zu halten und sicherzustellen, dass wir korrekte intellektuelle Konzepte aus unserer eigenen Weltanschauung ableiten, ohne diese zu verfälschen.

Im Neuen Testament wird (angeblich) von Jesus erzählt, als er von seinen Gegnern gefragt wurde, ob fromme Juden Steuern an den heidnischen Kaiser in Rom zahlen sollten:

‚Sollen wir sie zahlen oder nicht zahlen?‘ ‚Er aber durchschaute ihre Heuchelei und sagte zu ihnen: Warum stellt ihr mir eine Falle? Bringt mir einen Denar, ich will ihn sehen.‘ Man brachte ihm einen. Da fragte er sie: ‚Wessen Bild und Aufschrift ist das?‘ Sie antworteten ihm: ‚Des Kaisers.‘ Da sagte Jesus zu ihnen: ‚So gebt dem Kaiser, was dem Kaiser gehört, und Gott, was Gott gehört!‘ Und sie waren sehr erstaunt über ihn.

Markus 12:15-17.
  1. Ein deutsches Äquivalent ist uns nicht bekannt, aber im Grund geht es darum, etwas schönzureden.
  2. Anmerkung ITV: Auch: Fanatismus. Gemeint ist die übermäßige Anhänglichkeit an eine bestimmte Sekte oder Partei, besonders in der Religion; hier eben in Bezug auf das Geschlecht
  3. gemeint ist die Botschaft des Islam
  4. Anmerkung ITV: Gemeint im Sinne von, dass wir ausschließlich darauf zurückgreifen; das ist natürlich nicht als Negation von Dawa und dem Teilen des Islams gedacht.

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