Es ist okay, ein schräger Elternteil zu sein

Sei ein schräger Elternteil. Das ist in Ordnung.

Du bist nicht an den vorherrschenden Diskurs gebunden.

Du musst den Status quo nicht passiv hinnehmen.

Du musst nicht zulassen, dass die Mainstream-Monokultur dir vorschreibt, wie du deine Kinder zu erziehen hast.

Wenn du bei der Erziehung deiner Kinder nicht dem Mainstream folgst, ist das in Anbetracht des Zustands unserer aktuellen Mainstream-Kultur [sogar] fast immer besser.

Ich bin ein ziemlich schräger Elternteil. Das habe ich akzeptiert. Früher habe ich diese Tatsache bejammert und mich darüber geärgert, doch jetzt habe ich mich damit abgefunden. [Und] Ich sage dir auch warum.

Die meisten von uns wollen dazugehören. Wir wollen gemocht und akzeptiert werden und das Gefühl haben, „normal“ zu sein. Wir wollen nicht aus der Masse herausstechen. Wenn du nicht von Natur aus ein Einzelgänger [Außenseiter] bist, ist es bei den meisten Menschen so, dass sie einfach nur dazugehören wollen. So war das auch bei mir.

Aber sowie ich als Erstgebärende Entscheidungen zu treffen hatte, begann ich [auch] zum ersten Mal in meinem Leben, die Bedürfnisse und Interessen eines anderen Menschen (meines ungeborenen Kindes) über alles andere zu stellen, auch über das Bedürfnis, dazuzugehören.

Es fing an mit der Schwangerschaft und den Entscheidungen über Lebensmittel und Ernährung, dann mit den Wehen und den Entscheidungen über Schmerzmittel oder deren Fehlen, dann mit den Entscheidungen über Stillen oder Muttermilchersatz, dann mit den Entscheidungen über größere Themen wie die Frage, ob mein Kind Bildschirmzeit haben darf, in welcher Sprache ich mit meinem Kind spreche, was ich meinem Kind zu essen gebe, wie viel äußeren Einfluss ich zulasse, welcher Art von Unterhaltung ich meinem Kind aussetze, wer mein Kind erziehen soll, welche Themen ich meinem Kind beibringe und wie und wann.

Da ich selbst nicht von zu Hause aus unterrichtet wurde, fand ich das Konzept des Hausunterricht [Homeschooling] zunächst ziemlich schräg. Aber ich erkannte die großen Vorteile und wurde mir schnell sicher, dass es notwendig ist.
Ich sehe meine Erziehungsentscheidungen als eine Erweiterung des Erziehungsstils meiner eigenen Eltern. Vor allem mein Vater war eine Art Rebell, ein Vater, dem es nichts ausmachte, bei der Erziehung seiner Kinder gegen den Strom zu schwimmen, wenn er es für nötig hielt.

Einige Beispiele:

Er brachte meinen Geschwistern und mir bei, ihn „Abi“ (أبي) zu nennen und nicht den üblichen ägyptischen Begriff für Papa „Baba“ (بابا). Warum? Wir haben ihn einmal gefragt, als wir Kinder waren. Er erklärte uns, dass Ersteres ein reines arabisches Wort ist, das im Quran steht, während Letzteres nur eine Adaption des englischen Wortes „Papa“ ist, ein Überbleibsel der britischen Kolonialisierung Ägyptens. Er wollte nicht, dass seine Kinder ihn damit ansprechen. Es ist besser, unsere eigene Muttersprache zu benutzen, als sie sich sklavisch von den ausländischen Kolonisatoren zu leihen. Als Kinder waren wir voll und ganz damit einverstanden, aber ich erinnere mich, dass sich hier und da manchmal ein Verwandter oder ein Freund der Familie über uns lustig machte, weil wir dieses formelle arabische Wort für „Vater“ benutzten. Uns war das egal.

Mein Vater hat uns auch ohne Bildschirmzeit großgezogen. Wir besaßen zwar einen Fernseher, aber der war nicht angeschlossen und stand im Schrank. In Ägypten sieht jeder fern, das ist so etwas wie der nationale Zeitvertreib. Du trinkst Tee und schaust dir [währenddessen] die Sendung an, die gerade läuft, wie ein „normaler“ Mensch [eben].

Meinem Vater war das egal, er wollte, dass seine Kinder ihre Fantasie nutzen und kreativ sind, statt passiv da zu sitzen und Input von außen zu bekommen, der größtenteils reine Indoktrination ist. Also taten wir genau das. Meine Geschwister und ich haben als Kinder unersättlich gelesen, viel gemalt und zum Spaß eigene Bücher geschrieben, und das alles, bevor wir 8 Jahre alt waren. Wir haben viel draußen gespielt und waren viel an der frischen Luft. Wir lernten den Quran auswendig. Wir vermissten Bildschirme nicht allzu sehr.

Jetzt, wo ich erwachsen und selbst Elternteil bin, stört es mich nicht mehr, wenn ich gegen den Strom erziehe. Ich sehe es als völlig normal an…

  • meine Kinder auf natürliche Weise und ohne Schmerzmittel oder Medikamente zu gebären
  • meine Kinder weitgehend ohne Bildschirmzeit zu erziehen
  • mit ihnen in nicht vorherrschenden Sprachen wie Arabisch und Farsi zu sprechen
  • sie zu Hause zu unterrichten
  • ihnen den Quran beizubringen
  • ihnen echte, vollwertige Lebensmittel zu essen zu geben, statt Fast Food, Zuckerwasser (Saft) oder verarbeitetes Junkfood
  • sie mit nach draußen zu nehmen, um aktiv und mit der Natur in Kontakt zu sein, anstatt drinnen eingesperrt zu sitzen und etwas Virtuelles anzuschauen

Wir müssen nicht Sklaven irgendwelcher westlicher Gesellschaftsnormen sein, die unseren Kindern nicht gut tun, vor allem, wenn diese Normen den islamischen Normen widersprechen oder sie untergraben.

Es ist okay, komisch zu sein, wenn wir unsere Kinder zu Muslimen und nicht zu Liberalen heranziehen.

Sei komisch.

Und bekenne dich dazu.

Schäme dich nicht, wenn du gegen den Strom schwimmst. Entschuldige dich niemals dafür, dass du vom modernen Durchschnittsmenschen, der am modernen Lebensstil mit Technologie, Konventionen und künstlicher Bequemlichkeit hängt (darin eingesperrt ist?), als komisch angesehen wirst.

Der Prophet Muhammad ﷺ sagte:

بدأ الإسلام غريباً وسيعود غريباً كما بدأ فطوبى للغرباء

Der Islam begann als etwas Fremdes und er wird auch wieder als etwas Fremdes gesehen werden. Also frohe Botschaft für die Fremden.

(Spez. Autor: Umm Khalid)

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